10 kommentierte Aphorismen und Zitate – Stand: 18. Juni 2010
Nr. 8 – 14. Mai 2010
„Die Idee eines übermächtigen göttlichen Wesens ist überall vorhanden, wenn nicht bewußt, so doch unbewußt, denn sie ist ein Archetypus.“ – Carl Gustav Jung
Der stetige Wandel, das Fließen von Energie – das war Heraklits Entdeckung. Als Wirkprinzip der Welt erfand er sich den Lógos. Dem Menschen erfand er den kleingeschriebenen lógos, der befähigte den großen wahrzunehmen und sich selbst darin zu erkennen. Es gab also das äußere, im Großen wirkende Prinzip und das innere kleine.
Gott ist der Gegenpol des Ichs, das sich ebenso immateriell erlebt und sich durch Vorstellung, Traum und Phantasie in vielerlei Jenseits begeben kann. So ist ihm das Prinzip göttlicher Allgegenwart vertraut. Zum einen ist der eigene unsichtbare Geist ein Gottesbeweis, zum anderen weiß ich, dass ich die Existenz meines Geistes einem anderen, nämlich Gott schulde. Urtypus ist er, weil es von Anfang an etwas gibt, das sich von allem, auch vom geringsten, abstößt: Information. Auch sie ist unsichtbar und trotzdem überall, wo Dasein ist. Sie entsteht aus Verboten, die das Ding dem Nichts aufgibt, und kann – wie Gott – nicht nichtexistieren.
Frank Milautzcki
Zitat aus: Carl Gustav Jung, Das Unbewußte im normalen und kranken Seelenleben. 1926. S. 103 f.
Stichworte: gott bewusstsein heraklit lógos traum phantasie carl gustav jung frank milautzcki
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Ihr Suchbegriff enthält „ae“, „oe“, „ue“ oder „ss“ statt „ä“, „ö“, „ü“ oder „ß“ und wurde konvertiert von Bewusstsein in Bewußtsein. Nachstehend die Suchergebnisse für Bewußtsein.
Nr. 10 – 18. Juni 2010
Zeit entsteht, indem sie vergeht. – Karl Lubomirski
Mit diesem knappen, aber gehaltvollen Aphorismus formuliert der in Mailand lebende Schriftsteller Karl Lubomirski (Jg. 1939) eine eigenständige Position im philosophischen Diskurs. Wurde Zeit mal als ,objektive’, mal als ,subjektive’ Größe aufgefasst, so bewegt sich das vorliegende Notat zwischen den theoretischen Fronten. Es erklärt die fließende Verwandlung des Jetzt in ein Gerade-Vorhin zur Entstehungsbedingung von Dauer. Damit ist Zeit zwar an die innerliche Wahrnehmung des Entschwindens gebunden, doch stellt sie mehr als ein bloßes Bewußtseinsphänomen dar. Indem sie der menschliche Geist hervorbringt, nimmt sie ,reale’ Gestalt an – nicht im absoluten Sinne, sondern als ,Reflexions-Gegenstand’.
Alexander Eilers
Aphorismus aus: Karl Lubomirski, Links oder Rechts. Oder Mensch. Mailänder Reflexionen. Innsbruck, Wien: Berenkamp, 2005. S. 71
Stichworte: zeit objektivität subjektivität vergänglichkeit karl lubomirski alexander eilers
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